Kinder kommen nicht mehr pünktlich an Blankenrather Schule an – Eltern stinksauer

Von Annika Wilhelm, Rhein-Zeitung 24. Januar 2024, 16:13 Uhr

 

Seit der Umstrukturierung des ÖPNV im Kreis Cochem-Zell kommen die Kinder nicht mehr pünktlich zum Unterrichtsbeginn an.

Die Umstellung des ÖPNV im Kreis Cochem-Zell sollte Besserung versprechen. Doch seit dem 10. Dezember, zu dem die neuen Fahrpläne gelten, herrscht im Kreis an vielerlei Stellen Unmut, allem voran im Schülertransport. Viele Schülerinnen und Schüler kommen zu spät zum Unterricht – und nachmittags um einiges später nach Hause.

 

Problem war laut Eltern absehbar

Von Panzweiler aus fährt Liesa Bachs Kind jeden Morgen zur Grundschule nach Blankenrath. Schon vor der Umstellung am 10. Dezember stellte die Mutter fest, dass es mit den neuen Busfahrplänen Probleme geben wird: Denn sowohl die Ankunftszeiten als auch die Abfahrtszeiten an der Schule bedeuten, dass die Schülerinnen und Schüler „zu spät zum Unterricht kommen und mittags erhebliche Wartezeiten ohne Unterstand haben, bis sie nach Hause befördert werden“, heißt es in einem Schreiben an das Team der Schülerbeförderung des Kreises.

Ebenso ist es mit dem Tag der Umsetzung gekommen: Täglich verspäteten sich die Schüler um 20 bis 25 Minuten und konnten nicht pünktlich zum Unterrichtsbeginn um 7.55 Uhr im Klassenraum sein. Anfangs tolerierte die Grundschule noch die Verspätungen der Schüler. Seit dem 8. Januar, dem Schulbeginn nach den Weihnachtsferien, haben aber auch die Schulleitung und Lehrkräfte genug – die Schule verlangt, dass die Schüler wieder pünktlich zum Unterrichtsbeginn erscheinen müssen.

Im mehrwöchigen Zeitraum vor In-Kraft-Treten der Fahrplanänderung fand, obwohl der Umstand bekannt war, keine Anpassung statt.

Liesa Bach, eine verärgerte Mutter Das kann Liesa Bach sogar nachvollziehen: Schließlich gehöre Pünktlichkeit ebenso wie Bildung zu den gesellschaftlichen Werten. „Ein täglicher Verlust an Unterrichtszeit ist nicht hinnehmbar“, sagt Bach, auch im Hinblick auf die jüngsten Pisa-Ergebnisse. Die Mutter ist verärgert: „Im mehrwöchigen Zeitraum vor In-Kraft-Treten der Fahrplanänderung fand, obwohl der Umstand bekannt war, keine Anpassung statt.“

Auch Sonja und Karsten Straus aus Tellig sind stinksauer: Zuvor sei der Bus 20 Minuten früher gefahren, erzählt der Vater: „Das hat 40 Jahre lang so funktioniert, und jetzt wurde er so weit nach vorne verlegt, dass die Kinder gar nicht mehr pünktlich zur Schule kommen können.“ Mit dem Busfahrer sei schon gesprochen worden, erzählt seine Frau Sonja: „Der sagte uns dann, dass es gar nicht möglich sei, pünktlich an der Schule anzukommen, weil er erst einmal an die IGS nach Zell muss. Damit der Bus um 7.40 Uhr in Blankenrath ist, müsste er fliegen.“

 

Die Eltern sind mit den Busfahrern ins Gespräch getreten.

Besonders ärgert sich die Mutter aber über etwas, was bereits vor der Umstrukturierung stattgefunden hat – oder eben nicht stattgefunden hat: „Fakt ist, dass die Kreisverwaltung die Schule nie mit ins Boot genommen hat. Das ist unverschämt.“ Auch ihr Mann ist empört, wie mit der Thematik umgegangen wird: „Der Kreis nimmt 20 Millionen Euro für den ÖPNV in die Hand, aber es funktioniert hinten und vorne nicht! Es ist unglaublich, was man sich als Steuerzahler gefallen lassen muss.“

 

Ursache war ein Missverständnis

Die Ursache, weshalb das Problem überhaupt entstanden sei, liege bei einem Missverständnis. Laut Landrätin Anke Beilstein wüsste der Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) über die Schulbeginne im Kreis Cochem-Zell Bescheid, an diesen habe sich auch die Planung der Buslinien orientiert.

Kompliziert wurde es, weil die Grundschule Blankenrath mit einem sogenannten offenen Anfang den Schulalltag beginnt. Das Konzept wurde bei der Planung missverstanden: Es handelt sich im Fall der Blankenrather Grundschule nicht um einen offenen zeitlichen Anfang, sondern einen offenen pädagogischen Anfang. Die Kinder müssen von Beginn an anwesend sein, damit Hausaufgaben kontrolliert werden können, gelesen werden kann, Einzelgespräche mit den Lehrern geführt werden können. Bei der Planung sei man jedoch von einem offenen zeitlichen Anfang und damit einem offiziellen Unterrichtsbeginn um 8.05 Uhr ausgegangen, sagen Beilstein und Barbara Schatz-Fischer, die als Leitende Kreisverwaltungsdirektorin für den Bereich Mobilität zuständig ist.

Vonseiten der Schule wird jedoch erwartet, dass die Schüler um 7.55 Uhr anwesend sind. Laut der Landrätin sei inzwischen eine Lösung gefunden worden: Der Fahrplan sei abgeändert und angepasst worden, sagt sie im Gespräch mit der RZ. Das bestätigt Ulrich Barwinski, Pressesprecher des VRM: „In Abstimmung zwischen Schule und Kreis wurden in einem ersten Schritt bereits zum 8. Januar, nach Ende der Weihnachtsferien, Fahrten im Minutenbereich nach vorne verlegt.“ Ab dem 29. Januar werden laut VRM in einem zweiten Schritt auch die Mittagsfahrten um drei bis fünf Minuten entsprechend angepasst.

Die Kreischefin betont in der Diskussion um die Schulbusse aber auch: „Die Schulbusse fahren grundsätzlich längere Wege.

Wenn man die Schule, die der letzte Halt ist, zu früh ansetzt, dann kommen die Kinder an den Schulen mit den früheren Stopps viel zu früh an.“ Diese Lösung könne jedoch nur funktionieren, weil sich nicht nur die Fahrzeit der Busse nach vorne, sondern auch die Schule ihren Unterrichtsbeginn nach hinten verschoben hat.

Die Grundschule hat eine Lösung gefunden, nicht die Kreisverwaltung. Und es kann doch nicht sein, dass die Schule das tun muss, nur weil die Kreisverwaltung alleine nicht tätig wird.

Sonja Straus, Teil des Schulelternbeirat: Doch wie kam es dazu, dass nun dieser Ansatz zur Lösung des Problems führen soll? Nachdem lange Zeit nichts passiert sei, habe die Blankenrather Grundschule der Kreisverwaltung angeboten, den Unterricht um fünf Minuten nach hinten zu verlegen – so erzählt es Sonja Straus, die auch Teil des Schulelternbeirats ist: „Die Grundschule hat eine Lösung gefunden, nicht die Kreisverwaltung. Und es kann doch nicht sein, dass die Schule das tun muss, nur weil die Kreisverwaltung alleine nicht tätig wird.“

 

Kreisverwaltung interveniert erneut

So ganz sei das Problem jedoch noch nicht endgültig gelöst, weshalb der VRM erneut von der Kreisverwaltung gebeten wurde, dass die Busse spätestens um 7.45 Uhr an der Schule ankommen. Verspätungen haben die Kinder laut der sich beschwerenden Eltern noch immer – Liesa Bach, die Mutter aus Panzweiler, bestätigt auch im Gespräch mit der RZ, dass die Schülerinnen und Schüler Anfang Januar „nur noch fünf Minuten zu spät zum Unterricht kamen“. Ob sich das Schulbuschaos im Fall der Blankenrather Grundschule mit dem Beginn des neuen Schuljahrs bessert, bleibt abzuwarten.

 

Offener Anfang: Was ist dass überhaupt?

Bei dem Konzept eines offenen Anfangs geht es darum, dass die Schülerinnen und Schüler ruhiger in den morgendlichen Unterrichtsbeginn starten. Bedeutet: Der Lehrer betritt nicht um 8 Uhr das Klassenzimmer und alle müssen anwesend sein, damit der Unterricht beginnen kann. Stattdessen setzen einige Schulen inzwischen auf einen gewissen Zeitraum, zu dem die Kinder und Jugendlichen in den Klassenraum kommen und selbst entscheiden, womit sie ihren Schulalltag beginnen, etwa um liegen gebliebene Aufgaben zu erledigen, zu lesen oder mit Unterrichtsmaterialien zu arbeiten.